Die Geschichte der synthetischen Peptidchemie ist keine kontinuierliche Erzählung inkrementellen Fortschritts, sondern eine Reihe diskreter technischer Wendepunkte, die jeweils die strukturelle Komplexität zugänglicher Peptidtargets erweiterten.

Grundlagen: Fischers Lösungschemie und die Peptidbindung (1901–1930er)

Emil Fischers Identifizierung der Peptidbindung (1901) legte das konzeptionelle Fundament. Die Zwischenkriegszeit sah schrittweise Verbesserungen der Schutzgruppenchemie (Carbobenzyloxy-Gruppe von Bergmann und Zervas, 1932).

Du Vigneaud und das erste synthetische bioaktive Peptid (1953)

Vincent du Vigneauds Totalsynthese von Oxytocin (Cys-Tyr-Ile-Gln-Asn-Cys-Pro-Leu-Gly-NH₂, MW 1.007 Da) im Jahr 1953 — Nobelpreis für Chemie 1955 — bewies, dass ein biologisch aktives Peptidhormon chemisch reproduziert werden kann.

Merrifields Festphasenpeptidfynthese-Revolution (1963)

R. Bruce Merrifields Einführung der SPPS im Jahr 1963 (Nobelpreis für Chemie, 1984) veränderte die Zugänglichkeit synthetischer Peptide grundlegend. Die Entwicklung der Fmoc/tBu-Chemie von Carpino und Han (1972) ermöglichte mildere Spaltungsbedingungen. Moderne automatisierte Synthesizer führen Kupplungszyklen in 10–30 Minuten pro Rest durch.

Von Forschungswerkzeugen zu zugelassenen Therapeutika: GLP-1-Agonisten (1980–2023)

Exenatid (Byetta, FDA 2005), Liraglutid (Victoza, FDA 2010) mit t½ ~13 h, Semaglutid (Ozempic, FDA 2017; Wegovy, FDA 2021) mit t½ ~165 h, und Tirzepatid (Mounjaro, FDA 2022) mit 22,5% mittlerer Körpergewichtsreduktion (SURMOUNT-1, N=2.539, p<0,001) repräsentieren die Entwicklungsspitze. Alle referenzierten Produkte sind ausschließlich für Forschungs- und Laborzwecke.